Von Buenos Aires nach Arica zu den Motorrädern! (7.12.2010 – 18.12.2010)
Wir mussten Abschied nehmen von der Halbinsel Valdés und ihrer fantastischen Tierwelt. Das bedeutete 1400 km ewig langer Geraden durch viele Rinderherden zurück nach Buenos Aires fahren.
In Bahia Blanca machten wir einen Zwischenstopp nachdem wir zuvor drei Stunden durch einen Sandsturm, den wir noch nicht erlebt hatten, fuhren. Stellenweise hatten wir nur 20 m Sicht, das für uns unheimlich war.
Beim Frühstück in Bahia Blanca bekam Peter plötzlich einen riesen Schreck, weil er beim Durchsehen der Papiere für den Leihwagen drauf kam, dass dieser schon seit drei Tagen in Buenos Aires sein sollte. Nach einem Telefonat mit der Leihwagenfirma und einigem Hin und Her in Spanisch und Englisch, mussten wir am selben Tag das Auto in Buenos Aires zurück geben. Das hieß wiederum 700 km durchfahren, so kamen wir abends um 18.00 Uhr völlig gestresst bei der Leihwagenfirma an.
Ende gut – Alles gut! Jedoch zahlten wir 200,- Euro auf, weil wir mit dem Auto drei Tage vermisst wurden.
Glücklicherweise konnten wir dann in unserem vorgebuchten Gran Hotel Orly einen Tag früher einchecken. An der Rezeption fiel uns ein netter, älterer Herr auf, der wie sich später herausstellte, der Chef des Hotels ist, und vom Burgenland stammte, genauer gesagt aus Kittsee. Er wanderte 1938 aus und baute sich hier mit dem Hotel eine neue Existenz auf. Nach einem freundlichen Gespräch erfuhren wir, dass er schon 99 Jahre alt ist und nächsten Mai noch einmal nach Österreich kommen wird um Abschied zu nehmen. Spontan verabredeten wir uns auf einen Heurigenbesuch!
„Buenos Aires es horrible de fea“ – „Buenos Aires ist atemberaubend hässlich“, schrieb Jorge Luis Borges, und der Architekt José María Pena antwortete darauf: „Lo que pasa es que Borges era ciego“ – „Fakt ist, dass Borges blind war“.
Für uns einer der faszinierenden Städte Lateinamerikas!
Buenos Aires ist auch die Stadt des Tangos und eigentlich wollte Peter hier einen Tangokurs besuchen (Hahaha), jedoch schaffte dies Renate mit ihrem Bein noch nicht, was ihn „unheimlich traurig“ machte,…
Die Stadt ist berühmt für das gute Angebot an Grill- und Steakhäusern und natürlich auch für den Tango, wir besuchten 2 professionelle Shows. „La Boca“, das alte Hafenviertel mit seinen bunten Häusern und im Stadtviertel „San Telmo“, kann man den Tango auf der Straße hautnah miterleben. Unzählige TänzerInnen leben und präsentieren hier den Tango. Wir verbrachten viele Stunden in diesen Vierteln und waren fasziniert von diesem ausdrucksvollen und leidenschaftlichen Tanz.
Die fünf Tage vergingen viel zu schnell, was gut war für Peter, denn wenn wir noch längere Zeit hier geblieben wären, hätte er von dem vielen guten Steakessen nicht mehr aufs Motorrad gepasst.
So flogen wir am Montag den 13.12. von Buenos Aires über Santiago de Chile nach Arica, wo unsere Motorräder schon auf uns warteten.
Für Peter war es das lang ersehnte Wiedersehen mit seiner KTM, Renate trat mit einem gemischten Gefühl ihrem Motorrad gegenüber. Es half nichts, sie musste auf das Motorrad, da die Aufenthaltsgenehmigung für die Honda eine Woche später abgelaufen wäre. So machten wir einen kleinen Ausflug von 100 km in das Nachbarland Peru. Bei der Einreise zurück nach Chile bekamen wir das erste Mal auf unserer Reise die gefürchteten lateinamerikanischen Streiks zu spüren. Die chilenischen Zollbeamten, von denen wir es am wenigsten erwartet hätten, streikten, das bedeutete 4 lange Stunden warten auf der Grenze. Dabei lernten wir einen netten Kolumbianer kennen, der mit seinen 2 Söhnen durch Südamerika unterwegs war. Beim langen Warten brachte er uns sein Land näher. Er bestand darauf bei der nächsten Reise unbedingt nach Kolumbien zu kommen und lud uns zu sich nach Hause ein und damit steht unser nächstes Reiseziel fest.
Endlich um 20.00 Uhr passierten wir gemeinsam die Grenze und wir boten den Kolumbianern an mit zu kommen zu unserem Hostal.
Wie könnte es nicht anders sein, hatten wir gerade dann noch unsere erste Reifenpanne. Der Hinterreifen von Renates Motorrad war platt und mit Luis (Kolumbianer) wechselte Peter in 15 Minuten den Schlauch. Schmutzig und verschwitzt kamen wir bei Dunkelheit in unserem Hostal an, wir verbrachten noch einen netten gemeinsamen Abend.
Da wir nicht ohne Ersatzschlauch unsere Reise fortsetzen wollten, besorgten wir nächsten Tag noch einen Neuen in der Stadt. Damit verzögerte sich unsere Abreise wieder um einen Tag, was aber Renates Bein offensichtlich gut tat. Wie ein kleines Wunder am nächsten Morgen zum Neustart unserer Reise, verspürte Renate keine Schmerzen mehr in ihrem operierten Bein.
An dieser Stelle möchten wir uns ganz besonders bei Ross und Beatriz bedanken, die das Hostal Sunny Day führen, das wir solange einen kostenlosen sicheren Stellplatz für unsere Motorräder bekommen haben.
Obwohl bei sonnigen und warmen Wetter nicht wirklich Weihnachtsstimmung bei uns aufkommt, ist doch ein großer Weihnachtswunsch in Erfüllung gegangen:
Wir sind wieder unterwegs!
Im Moment sind wir in San Pedro de Atacama (Chile) und voraussichtlich verbringen wir unsere Weihnachten zu zweit in der höchstgelegenen warmen Badewanne der Erde, den Geysiren Tatio auf 4300 Metern Höhe.
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Während wir hier unseren momentanen Beitrag schreiben, singt uns im Hintergrund ein Chor „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf Spanisch!
In diesem Sinne wünschen wir Euch Allen:
Frohe Weihnachten!
SÜDAMERIKA 2010