Urlaub im Urlaub?
Im Süden von Brasilien! (14.1.2011 – 31.1.2011)
Brasilien, das größte Land in Südamerika und auch das einzige, wo nicht spanisch sondern portugiesisch gesprochen wird. Uns war klar, dass wir nur einen kleinen Teil des Landes besuchen können, eigentlich wollten wir ja nur Sonne und Wärme an der Küste tanken. Was uns angesichts der immer wiederkehrenden Berichte von zuhause, von Kälte und Schnee, noch mehr Lust auf Meer und Strand verspüren ließ.
Iguazú verabschiedete uns mit 40° Hitze, wo wir mit dem Motorradgewand gehörig ins Schwitzen kamen.
Die brasilianische Grenze liegt nur 5 km entfernt, jedoch wollten offensichtlich an dem Tag alle die Grenze passieren. Vor uns war ein kilometerlanger Stau, den wir auf unsere österreichische charmante Motorradfahrermanier versuchten zu umgehen – Rechts vorbeifahren und sich ganz vorne anstellen. Es war ein hartes Stück Arbeit, denn offenbar ist dies hier nicht üblich sich vorbei zu schwindeln, denn an vorderster Stelle wollte uns keiner so wirklich in die Reihe lassen (aber gelernt ist gelernt).
Die Grenzformalitäten dauerten für südamerikanische Verhältnisse extrem lang, hier wurde alles genauer und penibler angesehen und dokumentiert.
Wir wurden hier auch das erste Mal mit portugiesisch konfrontiert, was für Peter sehr ungewohnt war, weil er plötzlich kein Wort mehr verstand.
Gewarnt wurden wir noch von einer argentinischen Honda Transalpfahrerin, die wir auf der letzten Tankstelle vor der Grenze trafen, vor der Fahrweise der Brasilianer und von der schlechten Benzinqualität. Natürlich gab sie uns auch ein paar gute Tipps von schönen Stränden - zum entspannen.
Die verrückte Fahrweise bekamen wir auch gleich nach der Grenze zu spüren. Es wurde überholt als gäbe es keinen Morgen, alle glaubten sie wären Ayrton Senna höchstpersönlich.
Unser Weg führte uns durch Tabak-, Tee- und Sojaplantagen direkt an die Küste. Hier mussten wir das erste Mal Straßenmaut bezahlen (in den anderen südamerikanischen Ländern ist es nicht üblich, dass Motorradfahrer Maut zahlen) und das alle 60 km, was Peter sehr ärgerte. Vor jeder Mautstelle hörte Renate über die Helmgegensprechanlage eine Schimpfwortsalve!
Was wir über Südbrasilien nicht wussten, da die Reise eigentlich hierher nicht geplant war und wir deshalb auch keinen Reiseführer mit hatten, dass zwar Sommer ist, dies aber anscheinend die Monate sind mit dem meisten Regen. So wurde der Regen in den nächsten Wochen unser ständiger Begleiter, jedoch angesichts der hohen Temperaturen nicht unangenehm.
Einen Vorteil hatte es, dass wir portugiesisch nicht wirklich verstanden, Renate lernte innerhalb kürzester Zeit laufen.
Zur Episode:
Am Weg zur Küste übernachteten wir noch in einem Hotel, der junge Besitzer wies uns einen Parkplatz zu. Er erklärte uns noch etwas in einem portugiesischen Redeschwall, wo bei uns nur mehr zu deuten übrig blieb „Nichts verstehen“. Er zeigte uns ein Schild mit einem Hund drauf und wir verstanden – aha klar, Motorräder sicher, Hund passt auf in der Nacht. Wir nahmen unser Gebäck von den Motos und trugen es ins Zimmer, natürlich wie immer vergaßen wir etwas und Renate ging nochmals zurück. Aber die Uhren gingen in Brasilien anders, der Wachhund dürfte schon früher seine Schicht begonnen haben, als wir es verstanden hatten. Als Renate vor den Motorrädern stand, erschrak sie, plötzlich stand ein knurrender, bellender Schäferhund vor ihr. Renate rutschte das Herz in die Hose, drehte um und lief Hilfe schreiend ins Hotel zurück. Peter hörte natürlich von allem wie immer nichts, weil er gerade gemütlich duschte. Als sie im Zimmer sicher ankam, wurde ihr klar, dass sie gerade ihren ersten 60 m Hürdenlauf seit dem Unfall hinter sich hatte. (Das Leben ist die beste Therapie, – Zitat von Verena)
Dem argentinischen Tipp der Motorradfahrerin zufolge fuhren wir an die Küste nach Paranaguá, wo wir die Ilha do Mel (Honiginsel) besuchten. Die Insel ist Autofrei und ein Naturschutzreservat mit wunderbaren tropischen Stränden. Wir verbrachten hier einige Tage und genossen den warmen Atlantik. (So warm hatten wir es danach an keinem Strand mehr). Das erste Mal in unserem Leben gingen wir auch bei strömenden Regen ins Meer baden, so wie die Einheimischen, die sich die Badelaune durch den Regen offensichtlich nicht verderben ließen, man lebt hier ganz einfach damit.
Bei der Weiterfahrt Richtung Süden der Küste entlang mussten wir mit einer Fähre ein kleines Stück übersetzten. Da trafen wir einen italienischen Liegestuhlverkäufer aus Mailand, der während des europäischen Winters, hier italienische Sonnenliegen verkauft. (Insgeheim überlegte Peter, ob das sein Job für die Zukunft sein könnte).
Anschließend machten wir von der Küste einen kurzen Abstecher ins Landesinnere nach Blumenau, einer Stadt, die von deutschen Einwanderern gegründet wurde und wo noch sehr viel deutsch gesprochen wird. Angesichts unserer anhaltenden Sprachschwierigkeiten, war dies eine Wohltat. Dadurch dass in Blumenau gerade Sommerfest und Gastronomiemesse war, kamen wir zum Leid unseres Budgets nur mehr in einem teureren Hotel unter. Der Parkwächter hier sprach uns an, ob wir portugiesisch sprechen. Wir sagten nein, wir sprechen spanisch, er - nein, wir: englisch, er - nein, wir: deutsch, wider erwarten sagte er – ja!
Wir wollten noch das Bierfest besuchen, welches aber leider ins Wasser fiel, es setzte wieder heftiger Regen ein.
Der nächste Morgen ließ Peter beim Anblick des Frühstückbuffets die Kosten für die Nacht ein bisschen milder stimmen. Das beste Buffet auf unserer ganzen Reise durch Südamerika (wahrscheinlich auch nicht mehr zu übertreffen) stand vor uns.
Es gab einfach alles, was man sich für so ein Buffet nur vorstellen kann und 10 verschiedene Torten, wo Peter leider beim 6. Stück WO geben musste. Sonst hätte die KTM Fahrwerksprobleme bekommen. Nach dem üppigen Frühstück fuhren wir nach Florianópolis weiter.
Hier sollen einige der schönsten Strände Brasiliens liegen. Wir fanden einen davon in Campeche mit einem netten Campingplatz, wo wir 2 Tage allerdings im Zelt, vor dem Zelt, rund ums Zelt in strömenden Regen verbrachten. So blieben wir noch zusätzlich 2 Tage um auch die Sonne und den Strand zu genießen.
Die Zeit drängt, wir müssen weiter, am fünften Tag packten wir und wollten Richtung Süden weiter fahren. Nach ein paar Kilometer streikte Renates Motorrad und stand auf einer stark befahrenen Schnellstraße still, gerade noch aus dem Tunnel gekommen. Wir kamen beide ins Schwitzen, was könnte jetzt sein?
Die angekündigte Spritqualität machte sich da bemerkbar. Der Benzin, der hier mit viel Alkohol versetzt wird, verformte den Benzinfilter so sehr, dass nichts mehr durch ging. In weiser Voraussicht hatte Peter noch zwei Filter im Gebäck. Während er diesen tauschte, hielt hinter uns ein brasilianischer Motorradfahrer. Er sah die „Austria“ – Aufkleber auf unseren Motorradkoffern und sprach uns in Deutsch an und stellte sich als Adolf vor. Adolfs Familie kam aus Tirol und er arbeitete auch fünf Jahre in Breitenbach in der Nähe von Innsbruck. Spontan lud er uns ein, zeigte uns zwei von seinen Geschäften und beim Mittagessen stellte er uns seine Frau Gisell und seinen einjährigen Sohn Etho vor.
Auf die Frage nach unserem weiteren Weg, meinte er, er hätte ein Wochenendhaus in der Nähe von Imbituba, er würde uns gerne dort hin einladen. Dies nahmen wir gerne dankend an. Wir verabredeten uns in zwei Tagen in Imbituba und Adolf holte uns beim vereinbarten Treffpunkt ab und fuhr mit uns ins Hinterland zu seiner „Almhütte“ wie er es nannte. Hier lernten wir noch seinen Bruder und seinen Schwiegervater kennen, der uns das beste Churrasco unserer ganzen Reise servierte. Er war der Grillmeister an dem Tag und es war unglaublich gutes gegrilltes Fleisch am Spieß!!
Adolf gab uns noch einige Tipps von schönen Plätzen in Südbrasilien, aber der Blick aufs Datum, sagte uns wir müssen weiter Richtung Süden. Ebenso trieb uns die schlechte Benzinqualität aus dem Land, Renates Motorrad brauchte schon den dritten Benzinfilter.
Eigentlich wollten wir den direkten Weg entlang der Küste Richtung Uruguay nehmen, doch Adolf zeigte uns eine Route, die durchs innere des Landes führte. Die Gegend erinnerte uns gleich an die Bucklige Welt, nur einfach um einiges grüner. Nochmals Danke an Adolf, der uns auf die tolle Route hinwies.
Auf dem Weg durch das grüne Südbrasilien legten wir noch einen Stopp in Nova Petrópolis ein. Der Ort wurde auch von deutschen Einwanderern gegründet. Wir wollten hier nur eine Nacht verbringen, aber beim abendlichen Spaziergang sah Peter einen Biergarten, wo es sonntags Musik und Frühschoppen gab. (gut das es Samstag war). Daraufhin beschlossen wir dieses sonntägliche „Spektakel“ auch mit zu erleben. In einer Parkanlage, wo auch die ersten Gründungshäuser rekonstruiert wurden und besichtigt werden konnten, fand der Frühschoppen mit Blasmusikkapelle und Polka statt. Es gab Fassbier und auf den Menütafeln fanden wir typisch deutsche Gerichte, wie Eisbein mit Sauerkraut. Wir trauten unseren Ohren kaum, als wir aus den Lautsprechern im Park deutsche und österreichische Volkslieder hörten. Wir fühlten uns in dem Moment so heimisch, das wir den ganzen Sonntag dort verbrachten. Es war schön vertraute Lieder in der Ferne zu hören.
Aber es half nichts, auf unserer Liste stand noch das siebte und letzte Land – Uruguay, dass wir besuchen wollten und so fuhren wir am nächsten Morgen weiter.
Kleines Resümee von drei Wochen Südbrasilien:
Besonders gefiel uns:
- das viele „Grün“ im Land
- die schönen Sandstrände
- Ilha do Mel
- Nova Pretopolis
- die Einladung von Adolf und seiner Familie
- Churrasco (besonderer Dank an Joe, Schwiegervater von Adolf)
- beste Frühstück von ganz Südamerika
Weniger gefiel uns:
- teilweise sehr rücksichtslosen Autofahrer
- schlechte Spritqualität
- relativ hohe Lebenserhaltungskosten
SÜDAMERIKA 2010