Nachwuchspilot

Lima – Puno – Abschied von Peru! (21.09.- 05.10.2010) 

    

Ja, die erste Arbeit in der Auszeit stand an, das Motorrad von Renate nach Chile zu überstellen. Es sind 1300 einsame Kilometer der Küste entlang. Der erste Stopp war in Nasca, wo die nette Dame von der deutschen Botschaft mir in einem Kinderheim eine Unterkunft besorgt hatte. Das  Kinderheim wurde von einer deutschen pensionierten Lufthansa Stewardess ins Leben gerufen.


Nach 440 km und der obligatorischen Polizeikontrolle kam ich in dem Heim an. Sofort wurden alle Kinder zusammengeholt, es sind an die 30,  war nicht gerade leicht um mich  vorzustellen. Kinder aller Altersklasse leben hier im Heim, einerseits weil sie keine Eltern haben, andererseits  kamen sie aus gewalttätigen Familien.  Die Kinder schlossen mich gleich ins Herz, und mir ging es ebenso. Ich hatte sowas noch nie erlebt.  Die Kinder schliffen mich von einem Spiel zum anderen ohne irgendwelche Berührungsängste  oder Sprachbarrieren. Auch die Erzieher, der Koch, alle waren so was von nett, unglaublich. Ein Junge Jorge Ruiz hatte mich ganz besonders in Herz geschlossen, der ließ mich nicht mehr aus. Um 20 Uhr war Bettruhe und es wurde ruhig im Haus und ich fiel todmüde ins Bett.

Morgens um 6 Uhr standen die Kinder schon beim meinem Fenster und klopften, damit war mein Schlaf vorbei. Gemeinsam frühstückten wir und dann hieß es ab in die Schule für die Kinder und für mich Abschied nehmen und  weiterfahren mit der Bemerkung: Ich solle auf alle Fälle wiederkommen, was ich auch sicher tun werde.

700km standen am Programm, durch trockene Wüstengegend  zum nächsten Übernachtungsstopp. Mit der Honda und dem  kleinen Tank kam ich nicht zurecht, 20km vor dem Etappenziel ging mir mitten in der Pampa der Sprit aus. Ich hielt einen Autofahrer an, der mir sagte, dass die nächste Polizeistation nur 2 km weit weg sei. Ich schüttelte die Honda hin und her, so dass der letzte Sprit zusammen lief und so kam ich bis zu den zwei Polizisten. Die schauten natürlich einmal dumm,  aber sie erklärten sich bereit mir den  Sprit zu holen. Nach 15 Minuten sind sie zurück mit 3 Liter 84 Oktan Benzin, damit sollte es sich bis zur nächsten Tankstelle ausgehen. So spendierte ich den Zweien „Freund und Helfer“ noch einen Kaffee und weiter ging es hinab nach Moquegua.

Am nächsten Tag standen nur mehr 200km am Tagesplan aber auch die Grenze Peru - Chile. Nach 160 km erreichte ich die Grenze und wurde immer nervöser, ob ich alle Papiere mit hätte, ob dies wohl klappen wird? 

Gut, die Peruaner schickten mich einmal die üblichen Zettel und Stempel zu holen. Jedoch niemand sagte nur irgendwas, dass die Honda nicht mein Motorrad sei. Nach 20 Minuten war ich fertig und konnte ausreisen. 

Danach kam der nächste Teil: die Einreise bei den Chilenen. Die normalen Einreiseformalitäten für die Person waren schnell erledigt, dann schickte man mich  zu dem netten Herren zur Fahrzeugeinfuhr.  Dort  musste ich ein Papier ausfüllen,  der  Zöllner stempelte alles ab und das wars. Keiner wollte die teuren und schwer erreichten Dokumente (mit den vielen Beglaubigungsstempeln aus Österreich und Peru) sehen. Ich nahm es zur Kenntnis, sagte natürlich nichts und durch war ich mit Renates Motorrad. Nach weiteren 20 km erreichte ich Arica, stellte die Honda im vorgebuchten Hostal ab. Hier dürfen wir sie netter weise solange stehen lassen, wie es nötig ist!

Nächsten Morgen ging es wieder zurück über die Grenze nach Peru. Wieder endlose Schlangen an der Grenze, es war Samstag, das reisen die Chilenen auch. Aber das brachte ich auch hinter mich und  nach 15 Stunden war ich  wieder in Peru.

Ich organisierte mir noch einen Bus zurück nach Lima, das bedeutete  22 Stunden Busfahrt.

Am Dienstagvormittag konnte ich endlich mein Motorrad holen. Es wurde mittags bis ich alles zusammen hatte und meine Reise alleine nach Bolivien starten konnte.

Mein erstes Ziel war wieder Nasca das Kinderheim Pachamama. In Lima hatte ich noch Fotos von den Kindern entwickeln lassen, dich ich Ihnen mitbringen möchte. Es war schon abends als ich im Heim eintraf, jedoch die Kinder freuten sich riesig mich wieder zu sehen. Sie fielen mir alle um den Hals und die Freude war auf beiden Seiten nicht zu übersehen. Die mitgebrachten Fotos gefielen ihnen ganz besonders gut. Diesmal gab ich ihnen den Fotoapparat und somit war der Abend in Schwung gekommen. Sie kletterten auf der KTM umher, dass mir ganz schlecht wurde. Aber was soll´s, sie hatten einen großen Spaß damit. Nächsten Morgen war Abschied zu nehmen für längere Zeit. Ich werde mit Renate das Heim sicher einmal besuchen. Wieder begleitete ich die herzlichen Kinder in die Schule um mich dort von ihnen zu verabschieden. Für mich gab es nur mehr rasch auf das Motorrad zu steigen um den Kopf wieder frei zu bekommen. Am liebsten wäre ich dort für längere Zeit bei den Kindern geblieben, aber die Reise muss weiter gehen, schließlich soll ich im Oktober in Buenos Aires sein.

Von Nasca (620m) nach Cusco (3400m hoch) kann man alle Klimazonen Perus durchfahren. Der Weg führte über den ersten Pass Condorcenca mit 4390 m nach Puquio und danach auf die Hochebenen, die zwischen 4100 m und 4500 m hoch sind. Grandiose Landschaft, wenige Dörfer nur Lamas und Alpakas bekam ich zu Gesicht. Nach dem Pass Huashuccasa (4300m) ging es durch ein Tal hinunter nach Abancay auf 2300m. Nach diesen 460 km und einer Fahrzeit von 8 Stunden war ich froh in Abancay vom Motorrad steigen zu können. Mein Hinterteil zahlte schön langsam Tribut von den letzten tausenden Kilometern.

Nächsten Morgen waren es nur mehr 200 km nach Cusco. Diese Stadt ist wohl die schönste und abwechslungsreichste Stadt Perus. Einst war sie die Hauptstadt und das Herz des Inkaimperiums und dadurch auch Nabel der Welt genannt. Durch die Nähe zur berühmten Inkastadt Machu Picchu und das heilige Tal der Inkas hat es Cusco zur Weltberühmtheit geschafft. Eigentlich wollte ich hier mit Renate nochmals den Machu Picchu besuchen (war vor 6 Jahren schon mal hier) um es ihr zu zeigen, weil es sicher ein einzigartiger Platz ist. Leider hat sich alles geändert und so fuhr ich nach 2 Tagen weiter. Erledigte hier ein paar Besorgungen und versuchte mich etwas zu erholen. Man könnte hier sicher 2 Wochen verbringen um alle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Nach den 2 Tagen breche ich aber auf nach Puno am Titicacasee. Dieser See ist der höchst schiffbare See der Erde und liegt auf 3808 m. Für mich ist Puno allerdings auch nur eine Zwischenstation nach Bolivien. Hier hatte die KTM wieder die Ehre bei mir im Hotel an der Rezeption zu schlafen. Zu dritt hievten wir das Motorrad in das Foyer des Hotels, was an Schwerarbeit grenzte, aber der Hotelbesitzer war so stolz darauf das ein Motorrad bei ihm stand. Er machte auch gleich einige Fotos davon.

Nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Peru, einem Land das Renate und mir irgendwie mit allen Schattenseiten ans Herz gewachsen war.

 

Renate in Österreich:

Die Tage vergehen, die Wochen ziehen sich aber dahin,  Renate trainiert, kämpft mit ihrem Bein und den Krücken. Wird aber immer liebevoll von vielen Besuchern  abgelenkt, abgeholt und ausgeführt,  damit die Zeit rascher vergeht.

Die erste Kontrolle im Krankenhaus nach der Operation verlief  ohne Komplikationen, in vier Wochen wurde sie wieder bestellt. Das Bein ist schon fast ganz abgeschwollen, daher sieht man auch, dass es etwas dünner ist, als das belastete linke Bein.

 

Kleines Resümee von Peru:

Faszinierend war die Landschaft in den Bergen von Peru, kaum mit Worten zu beschreiben. Ebenso fanden wir es lustig, dass die Peruaner sehr viel Hühnchen essen. In Nasca sagte einmal ein Einheimischer zu uns: „ Ja, die Peruaner essen Hühnchen zum Frühstück, Hühnchen zum Mittagessen, Hühnchen zum Abendessen, soviel bis uns Federn wachsen“

Die Menschen hier waren alle sehr herzlich, freundlich und hilfsbereit. Wir können und wollen über das Land nur das Beste schreiben und berichten, obwohl Renates Unfall hier in Peru uns ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.

Wir möchten hier nochmals DANKE an alle sagen, die uns in Peru und in Österreich unterstützt haben.

Adios Peru, hasta pronto!

 

Die letzten Fotos von Peru!