Bolivien - von der Grenze bis La Paz ( 3.10. - 10.10.2010)
Die Grenze erreichte ich gegen 11 Uhr vormittags – wieder einmal war auf der peruanischen Seite der obligatorische Stempellauf angesagt – diesmal 4 Stück. OK das war in einer Stunde erledigt, als ich mich beim Letzten der Policia abmeldete, fragte dieser mich nach der Versicherung des Motorrads. Ich gab ihm die Urkunde, er blätterte hin und her, kannte sich nicht aus und dann?? „Ja haben Sie Geld für einen Caffecito für uns?“ Ich gab ihm die letzten 4 Soles die ich eingesteckt hatte, ich möchte mich in Freundschaft von dem Land verabschieden. Es war ein wunderbares Land mit allen Facetten, trotzdem würde ich jederzeit wieder kommen. Der Schranken ging auf und ich fuhr durch – auf nach Bolivien!
Peru und Bolivien haben eine Stunde Zeitdifferenz und das traf mich gerade, weil der Zöllner, der für die Einfuhr des Motorrads zuständig war, Mittagspause hatte. So blieb mir nichts anderes übrig als zu warten. Um 14.00 Uhr bolivianischer Zeit war es dann soweit auch hier die Bürokratie in Angriff zu nehmen.
In der Zwischenzeit kamen vier Argentinier (männlich – zur Klärung für unsere Freunde, welche rätselten!), die ebenfalls mit den Bikes unterwegs waren, jedoch wollten die Richtung Peru. Wir unterhielten uns sehr gut und sie luden Renate und mich für November in Buenos Aires zu einer Grillerei und Vino tinto ein. Sehr freundlich! Leider trennten sich hier unsere Wege wieder und ich rollte nur mehr 15 km nach Copacabana am Titicacasee runter.
Copacabana ist für die Bolivianer und Peruaner ein wichtiger Wahlfahrtsort um ihre Fahrzeuge weihen zu lassen. Es fand gerade eine Weihe statt, aber ich verzichtete darauf. Für den nächsten Tag wechselte ich das Bike gegen ein Boot um die nahegelegene Isla del Sol zu besuchen. Die Insel liegt ca. 20 km von Copacabana entfernt, das Panorama auf der Hinfahrt entschädigte das frühe Aufstehen und die Kälte die noch herrschte. Angeblich soll die Isla del Sol die Keimzelle des Inka – Imperiums gewesen sein.
Ich unternahm mit einem Führer eine kleine Wanderung zu den Inkaruinen, dies war ziemlich schwierig, hier mit dem Mann Schritt zu halten, denn auf den knapp 4000 Metern ging mir rasch die Luft aus. Jedoch es war ein grandioser Tagesausflug.
Nächsten Morgen ging es weiter nach La Paz, der Hauptstadt von Bolivien. Dabei musste ich noch eine kleine Fährpassage hinter mich bringen, die mir einiges an Konzentration und Angst abverlangte. Um auf die Fähre zu fahren, brauchte es etwas an Können und Mut, da die Bretter teilweise 20 – 30 cm weit auseinander lagen. Ein Fehltritt und das Motorrad wäre nicht zu halten, ganz zu schweigen, was mit dem Fuß passieren würde. Ich traute mich während der Überfahrt nicht einmal vom Motorrad absteigen. Beim Anlegen musste mir der Bootsmann helfen zurück zu schieben – auch das noch?! Es ging aber alles glatt und ich konnte meine Reise fortsetzten.
Am Weg nach La Paz traf ich noch vier Brasilianer (männlich) mit den Bikes jedoch waren sie auch wieder Richtung Peru unterwegs, so dass wir nicht ein Stück gemeinsam fahren konnten, irgendetwas machte ich falsch?
La Paz ist mit 3600m Höhe, einer der höchstgelegenen Großstädte der Welt. Es liegt in einem Talkessel mit dem tiefsten Punkt auf 3100m und der höchsten Stelle knapp 4100m, mit einer Einwohnerzahl von 1,3 Millionen Menschen.
Ich fand ein nettes Hotel mit Tiefgarage für mein Motorrad. Hier besuchte ich den Hexenmarkt und viele andere Märkte. La Paz faszinierte mich am meisten von den Städten die ich bisher sah. Es gibt noch eine Menge Indigen Einwohner in ihren Trachten und daneben das ganz normale Großstadtszenario. An der Plaza Pedro Domingo zu sitzen und die Sonne und die Leute zu beobachten war was ganz besonders für mich. An dieser Plaza liegt auch der Regierungssitz Boliviens (der höchste der Erde) und ich konnte beobachten wie ein uralter BMW 7 Serie vorfuhr, es stieg niemand geringerer als der Präsident des Landes – Evo Morales aus, winkte kurz in die Menge und verschwand ins Gebäude. Da sollten sich unsere Politiker ein Beispiel nehmen, an Fahrzeugbeschaffung usw.
Bei meinem Motorrad ließ ich hier noch ein Service beim offiziellen und einzigen KTM Händler Boliviens machen. Es liegen noch etliche Kilometer vor mir und bei Spritqualitäten von 84 Oktan ist das mehr als nötig.
Meine Mutter bat mich beim letzten Mail, ein bisschen Sonne nach Österreich zu schicken, weil es so triste sei. Natürlich machte ich das sofort, hatte ja genug davon hier. Dachte ich zumindest, weiß jetzt nicht ob das ein Fehler war, am nächsten Tag begann es zu regnen.
Ich wollte in die Jungas fahren, ein langes hin und her, aber das Wetter wurde besser und ich entschloss mich doch aufzubrechen.
Von La Paz führte eine Straße über den Abra La Cumbra (4650m) in den Regenwald von Bolivien. Am Pass fing es leider an zu regnen und ich entschloss mich die neue Strecke in die Jungas zu nehmen. Eigentlich wollte ich hier die gefährlichste Straße der Welt nehmen, den Camino del Muerto (Todesstrecke), aber es war mir zu gefährlich, die Sicht war eingeschränkt und der Regen tat sein übriges dazu. Der Weg führt nämlich ununterbrochen 3000m bergab, ohne Leitplanken, teilweise einspurig und mit bis zu 1000m fällt der Berg ab, windet sich der Weg in den Dschungel. Nichts für schwache Nerven! Hinunter muss man auf der linken Seite fahren, also außen und da schaut man zeitweise bis 1000m hinunter ohne jegliche Absicherung.
Ich nahm also die ausgebaute Straße und fuhr bis Caranavi. Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter gebessert und ich fuhr zurück nach Corioco und nahm diesmal den Camino del Muerto in Angriff. Es kamen mir nur wahnsinnige Mountainbiker entgegen, weil das mittlerweile zur Touristen Attraktion geworden ist – die Straße „hinunterzubretteln“. Die Aussicht war grandios, es war wirklich ein Abenteuer. Froh war ich, dass ich den Weg hinauf genommen habe um innen also links fahren zu können, damit ich nicht in den Abgrund sehen musste. Das einzige Problem waren die wahnsinnigen Mountainbiker, die die Regeln anscheinend nicht kannten. Wenn ich nicht aufgepasst hätte, würden jetzt mindestens 4 Biker an meinem Windschild kleben.
Je höher ich den Pass rauf kam umso schlechter wurde das Wetter wieder, Regen und am Pass sogar Schneefall.
Die Lehre die ich daraus zog: Nie wieder Sonne nach Hause schicken!
War froh wieder nach La Paz hinunter zu rollen um in mein Hotel zu kommen und mich mit einer heißen Dusche wieder aufwärmen konnte.
SÜDAMERIKA 2010