Österreich – Lima (19.08. – 21.09.2010)
"Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu schmieden."
John Lennon
Diesen Satz von John Lennon erhielten wir von unserer Schwägerin Martina, als wir noch in Lima auf den Rückflug nach Österreich warteten. Wir glauben er beschreibt am besten was uns passiert ist und wie wir damit umgehen. Wir hatten und haben unsere Pläne und das Leben passiert!
Am 19.8.2010 wurde Renate operiert und darf für die nächsten 12 Wochen nur mit Krücken laufen.
Peter flog am 12.9. wieder nach Lima, er muss sich um die Motorräder kümmern, da wir in Wien nicht viel erreichen konnten.
Am Flug nach Lima saß neben ihm ein netter älterer Herr, der Bolivianer ist und für die Atombehörde arbeitet und sein Sohn mit den Enkeln in Wien lebt. Er lädt Peter zu sich nach Hause ein, wenn er nach La Paz (Bolivien) kommt.
Um 8.00 Uhr in der Früh checkt Peter in Lima im Hotel ein.
SO UND JETZT KOMMTS: JEDER DARF DREIMAL RATEN, WER UNS BZW. PETER HIER IN LIMA GEHOLFEN HAT; IST NICHT SCHWER ZU ERRATEN; ABER HIER DIE CHRONOLOGIE:
Um 9 Uhr stand Peter bei der österreichischen Botschaft auf der Matte, er war der einzige dort (nicht einmal ein Schild ist am Gebäude). Herr Konsul bemüht sich nicht heraus um ihn zu begrüßen oder ihm irgendeinen Rat zu geben, was er mit den Motorrädern machen kann. Die Aufenthaltsgenehmigung verlängern oder wie er Renates Motorrad außer Lande bringen kann, da es auf Renate angemeldet ist (und er es daher in Südamerika das Kfz nicht fahren darf, geschweige denn über die Grenze bringen). Der Sekretär ist der einzige der mit ihm sprach und er meinte bloß, er könnte Peter nicht helfen. Gab ihm aber eine Adresse von der chilenischen Botschaft. Peter versuchte nun selbst beim SUNAT (Zoll) um eine Verlängerung für Renates Bike zu bekommen. Jedoch Südamerika live – sie schickten Peter hin und her bis er völlig entnervt aufgab und ihm gesagt wurde, dass es auf gar keinen Fall eine Verlängerung gebe. Der Tiefpunkt war erreicht, Peter chattete mit Renate in Österreich und mit Martina in Chile (von der Villa Kunterbunt, wo unsere Reise im März begann). Nach einigem Hin und Her erhielten wir von Martina noch eine Adresse von einer Dame auf der deutschen Botschaft in Lima.
Peter ging gleich am nächsten Morgen dort hin. Hier war gleich ein anderer Betrieb als auf der österr. Botschaft. Es waren mindestens 40 Leute die in der Reihe standen und warteten, jedoch Peter kämpfte sich zur genannten Dame durch. Diese empfängt ihm prompt und nimmt sich Zeit und erklärte Peter was alles zu tun sei. So hätte er sich die Hilfe auf der österreichischen Botschaft eigentlich erwartet.
Der erste Lichtblick, Renate muss auf der peruanischen Botschaft in Wien einige Dokumente beglaubigen lassen und diese dann express nach Lima schicken. Dann müssen diese vom Außenministerium in Lima beglaubigt werden und ebenso noch von der chilenischen Botschaft.
Renate fuhr mit Dominik in den 1. Bezirk zur peruanischen Botschaft und humpelte mit 2 Krücken hoch um die Kopie des Reisepasses und 2 Vollmachten in Spanisch geschrieben beglaubigen zu lassen. Ein sehr freundlicher Mann sagte ihr, es sei kein Problem jedoch die Frau Konsulin sei nicht hier, wir sollen nachmittags um 16.00 Uhr wieder kommen. Also ging es um 16.00 Uhr wieder nach Wien, diesmal führte Renate eine liebe Freundin (danke Silvia) in den 1. Bezirk. Leider mussten wir noch eine Stunde warten, weil Frau Konsulin noch nicht hier war. Die Zeit wurde langsam knapp, den der nächste DHL in Simmering schließt um 18.00 Uhr und dann müsste Peter in Lima übers Wochenende warten, bis die beglaubigten Dokumente ankommen sollten. Endlich um 17.15 Uhr hielten wir alles in den Händen, wieder zurück ins Auto humpeln und ab ging es durch den ganzen Abendverkehr in Wien. Wir stressten uns durch und eine Minute vor 18.00 Uhr lief Silvia in den DHL Servicepoint und die Dokumente gingen noch am selben Tag weg,… huch Glück gehabt!
Peter bekommt noch von der netten Dame auf der deutschen Botschaft eine Telefonnummer eines Wieners, der hier in Peru lebt und der ihm behilflich sein kann bei den ganzen Behördenwegen. Peter ist sehr froh darüber und nimmt diese gerne an.
Das Warten auf die beglaubigten Dokumente begann, es war mühsam in Lima zu sitzen und zu warten, Lima ist nicht gerade das Highlight einer Großstadt! Peter musste sich die Zeit irgendwie vertreiben. Freitagvormittag um 10.00 Uhr kam endlich der ersehnte Brief, Peter rief sofort Rudi (den netten Wiener) an. Dieser war sofort bereit und kam zu ihm und gemeinsam fuhren sie zum peruanischen Außenministerium, es ist gerade 11.30 Uhr. Rudi erklärte ihm wie das genau abläuft am Ministerium, weil es durften nur Betroffenen direkt rein. Dann hieß es wieder lange anstellen, anstellen, anstellen, auch das schaffte Peter und war total happy, dass der Beamte sagte, dass er sich noch am Freitag um 15.00 Uhr die Dokumente abholen kann. (Das gebe es in Österreich nicht, ein Beamter der am Freitag um 15:00 noch arbeitet.)
Es hieß Zeit vertreiben, also in die Altstadt von Lima, leider wurde man hier an allen Ecken nur „angebaggert“ von irgendwelchen Typen, die zuerst nett plaudern und nachher immer für irgendetwas Geld haben möchten, oder was verkaufen wollen angefangen von Drogen, Mädchen und er sollte sie auf einen Trink einladen und so weiter. Peter hatte keine Lust auf solche Sachen, hatte andere Probleme,… Um 15.00 Uhr pünktlich stand er wieder beim Außenministerium um die Papiere abzuholen und er erhielt sie wirklich beglaubigt zurück.
Nun stand nichts mehr im Wege die Papiere am Montag zur chilenischen Botschaft zu bringen.
Am Samstag rief Peter gleich in der Früh Eduardo (er half uns die Motorräder am Militärgelände unterzubringen) an, damit er die Honda von Renate abholen konnte. Eduardo gab Peter die Adresse und er fuhr mit dem Taxi zu ihm. Es war schön ihn wieder zu sehen, er umarmte Peter und stellte ihm seine Frau vor, erkundigte sich wie es Renate geht,…
Nachdem Peter die Honda hatte fuhr er damit zurück zum Hotel, nur nach Instinkt, weil das GPS konnte er nicht auf dem Motorrad befestigen, aber es ging besser als er erwartete, also die Taxifahrer fuhren immer komplizierter mit ihm.
Dann hieß es wieder Zeit vertreiben, am Meer sitzen, schauen, lesen... das wars.
Sonntag fuhr Peter ins historische Zentrum von Lima und schaute sich verschiedenes an, Museum, Blumenfestival und alles möglich andere. Auf der Plaza zu sitzen war allerdings wieder ein Husarenstück, überall tauchten die Keiler auf. Irgendwann nach dem Fünften reichte es Peter und er verzog sich wieder in den angenehmeren Stadtteil Miraflores, wo auch das Hotel war. Hier war es weit besser und er trank darauf noch ein Bierchen.
Montag um 9.00 Uhr kam Rudi um mit Peter zur chilenischen Botschaft zu fahren, angekommen bei dieser – Leider wegen Feiertag, der 200 Jahresfeier in Chile geschlossen, so eine schei…, ja was solls, das Leben ist das was passiert!
Dienstag früh wieder mit Rudi auf die chilenische Botschaft und diesmal erklärte der Beamte, er kann dies nicht beglaubigen, Peter kann so über die Grenze in Chile!
Na, so hätte Peter schon 4 Tage früher fahren können... das Leben ist das was passiert, …
Renate in Österreich versucht so rasch wie möglich fit zu werden, das Knie zu mobilisieren mit Physiotherapie, Craniosacraltherapie, Lymphtapes, viel braune Hirse essen und so weiter,… damit sie sobald die 12 Wochen vorbei sind, so rasch wie möglich auch wieder nach Südamerika fliegen kann. (Flug ist schon gebucht!)
SÜDAMERIKA 2010