Nachwuchspilot

Lima – Puno – Abschied von Peru! (21.09.- 05.10.2010) 

    

Ja, die erste Arbeit in der Auszeit stand an, das Motorrad von Renate nach Chile zu überstellen. Es sind 1300 einsame Kilometer der Küste entlang. Der erste Stopp war in Nasca, wo die nette Dame von der deutschen Botschaft mir in einem Kinderheim eine Unterkunft besorgt hatte. Das  Kinderheim wurde von einer deutschen pensionierten Lufthansa Stewardess ins Leben gerufen.


Nach 440 km und der obligatorischen Polizeikontrolle kam ich in dem Heim an. Sofort wurden alle Kinder zusammengeholt, es sind an die 30,  war nicht gerade leicht um mich  vorzustellen. Kinder aller Altersklasse leben hier im Heim, einerseits weil sie keine Eltern haben, andererseits  kamen sie aus gewalttätigen Familien.  Die Kinder schlossen mich gleich ins Herz, und mir ging es ebenso. Ich hatte sowas noch nie erlebt.  Die Kinder schliffen mich von einem Spiel zum anderen ohne irgendwelche Berührungsängste  oder Sprachbarrieren. Auch die Erzieher, der Koch, alle waren so was von nett, unglaublich. Ein Junge Jorge Ruiz hatte mich ganz besonders in Herz geschlossen, der ließ mich nicht mehr aus. Um 20 Uhr war Bettruhe und es wurde ruhig im Haus und ich fiel todmüde ins Bett.

Morgens um 6 Uhr standen die Kinder schon beim meinem Fenster und klopften, damit war mein Schlaf vorbei. Gemeinsam frühstückten wir und dann hieß es ab in die Schule für die Kinder und für mich Abschied nehmen und  weiterfahren mit der Bemerkung: Ich solle auf alle Fälle wiederkommen, was ich auch sicher tun werde.

700km standen am Programm, durch trockene Wüstengegend  zum nächsten Übernachtungsstopp. Mit der Honda und dem  kleinen Tank kam ich nicht zurecht, 20km vor dem Etappenziel ging mir mitten in der Pampa der Sprit aus. Ich hielt einen Autofahrer an, der mir sagte, dass die nächste Polizeistation nur 2 km weit weg sei. Ich schüttelte die Honda hin und her, so dass der letzte Sprit zusammen lief und so kam ich bis zu den zwei Polizisten. Die schauten natürlich einmal dumm,  aber sie erklärten sich bereit mir den  Sprit zu holen. Nach 15 Minuten sind sie zurück mit 3 Liter 84 Oktan Benzin, damit sollte es sich bis zur nächsten Tankstelle ausgehen. So spendierte ich den Zweien „Freund und Helfer“ noch einen Kaffee und weiter ging es hinab nach Moquegua.

Am nächsten Tag standen nur mehr 200km am Tagesplan aber auch die Grenze Peru - Chile. Nach 160 km erreichte ich die Grenze und wurde immer nervöser, ob ich alle Papiere mit hätte, ob dies wohl klappen wird? 

Gut, die Peruaner schickten mich einmal die üblichen Zettel und Stempel zu holen. Jedoch niemand sagte nur irgendwas, dass die Honda nicht mein Motorrad sei. Nach 20 Minuten war ich fertig und konnte ausreisen. 

Dann kam der nächste Teil: die Einreise bei den Chilenen. Die normalen Einreiseformalitäten für die Person waren schnell erledigt, dann schickte man mich  zu dem netten Herren zur Fahrzeugeinfuhr.  Dort  musste ich ein Papier ausfüllen,  der  Zöllner stempelte alles ab und das wars. Keiner wollte die teuren und schwer erreichten Dokumente (mit den vielen Beglaubigungsstempeln aus Österreich und Peru) sehen. Ich nahm es zur Kenntnis, sagte natürlich nichts und durch war ich mit Renates Motorrad. Nach weiteren 20 km erreichte ich Arica, stellte die Honda im vorgebuchten Hostal ab. Hier dürfen wir sie netter weise solange stehen lassen, wie es nötig ist!

Nächsten Morgen ging es wieder zurück über die Grenze nach Peru. Wieder endlose Schlangen an der Grenze, es war Samstag, das reisen die Chilenen auch. Aber das brachte ich auch hinter mich und  nach 15 Stunden war ich  wieder in Peru.

Ich organisierte mir noch einen Bus zurück nach Lima, das bedeutete  22 Stunden Busfahrt.

Am Dienstagvormittag konnte ich endlich mein Motorrad holen. Es wurde mittags bis ich alles zusammen hatte und meine Reise alleine nach Bolivien starten konnte.

Mein erstes Ziel war wieder Nasca das Kinderheim Pachamama. In Lima hatte ich noch Fotos von den Kindern entwickeln lassen, dich ich Ihnen mitbringen möchte. Es war schon abends als ich im Heim eintraf, jedoch die Kinder freuten sich riesig mich wieder zu sehen. Sie fielen mir alle um den Hals und die Freude war auf beiden Seiten nicht zu übersehen. Die mitgebrachten Fotos gefielen ihnen ganz besonders gut. Diesmal gab ich ihnen den Fotoapparat und somit war der Abend in Schwung gekommen. Sie kletterten auf der KTM umher, dass mir ganz schlecht wurde. Aber was soll´s, sie hatten einen großen Spaß damit. Nächsten Morgen war Abschied zu nehmen für längere Zeit. Ich werde mit Renate das Heim sicher einmal besuchen. Wieder begleitete ich die herzlichen Kinder in die Schule um mich dort von ihnen zu verabschieden. Für mich gab es nur mehr rasch auf das Motorrad zu steigen um den Kopf wieder frei zu bekommen. Am liebsten wäre ich dort für längere Zeit bei den Kindern geblieben, aber die Reise muss weiter gehen, schließlich soll ich im Oktober in Buenos Aires sein.

Von Nasca (620m) nach Cusco (3400m hoch) kann man alle Klimazonen Perus durchfahren. Der Weg führte über den ersten Pass Condorcenca mit 4390 m nach Puquio und danach auf die Hochebenen, die zwischen 4100 m und 4500 m hoch sind. Grandiose Landschaft, wenige Dörfer nur Lamas und Alpakas bekam ich zu Gesicht. Nach dem Pass Huashuccasa (4300m) ging es durch ein Tal hinunter nach Abancay auf 2300m. Nach diesen 460 km und einer Fahrzeit von 8 Stunden war ich froh in Abancay vom Motorrad steigen zu können. Mein Hinterteil zahlte schön langsam Tribut von den letzten tausenden Kilometern.

Nächsten Morgen waren es nur mehr 200 km nach Cusco. Diese Stadt ist wohl die schönste und abwechslungsreichste Stadt Perus. Einst war sie die Hauptstadt und das Herz des Inkaimperiums und dadurch auch Nabel der Welt genannt. Durch die Nähe zur berühmten Inkastadt Machu Picchu und das heilige Tal der Inkas hat es Cusco zur Weltberühmtheit geschafft. Eigentlich wollte ich hier mit Renate nochmals den Machu Picchu besuchen (war vor 6 Jahren schon mal hier) um es ihr zu zeigen, weil es sicher ein einzigartiger Platz ist. Leider hat sich alles geändert und so fuhr ich nach 2 Tagen weiter. Erledigte hier ein paar Besorgungen und versuchte mich etwas zu erholen. Man könnte hier sicher 2 Wochen verbringen um alle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Nach den 2 Tagen breche ich aber auf nach Puno am Titicacasee. Dieser See ist der höchst schiffbare See der Erde und liegt auf 3808 m. Für mich ist Puno allerdings auch nur eine Zwischenstation nach Bolivien. Hier hatte die KTM wieder die Ehre bei mir im Hotel an der Rezeption zu schlafen. Zu dritt hievten wir das Motorrad in das Foyer des Hotels, was an Schwerarbeit grenzte, aber der Hotelbesitzer war so stolz darauf das ein Motorrad bei ihm stand. Er machte auch gleich einige Fotos davon.

Nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Peru, einem Land das Renate und mir irgendwie mit allen Schattenseiten ans Herz gewachsen war.

 

Renate in Österreich:

Die Tage vergehen, die Wochen ziehen sich aber dahin,  Renate trainiert, kämpft mit ihrem Bein und den Krücken. Wird aber immer liebevoll von vielen Besuchern  abgelenkt, abgeholt und ausgeführt,  damit die Zeit rascher vergeht.

Die erste Kontrolle im Krankenhaus nach der Operation verlief  ohne Komplikationen, in vier Wochen wurde sie wieder bestellt. Das Bein ist schon fast ganz abgeschwollen, daher sieht man auch, dass es etwas dünner ist, als das belastete linke Bein.

 

Kleines Resümee von Peru:

Faszinierend war die Landschaft in den Bergen von Peru, kaum mit Worten zu beschreiben. Ebenso fanden wir es lustig, dass die Peruaner sehr viel Hühnchen essen. In Nasca sagte einmal ein Einheimischer zu uns: „ Ja, die Peruaner essen Hühnchen zum Frühstück, Hühnchen zum Mittagessen, Hühnchen zum Abendessen, soviel bis uns Federn wachsen“

Die Menschen hier waren alle sehr herzlich, freundlich und hilfsbereit. Wir können und wollen über das Land nur das Beste schreiben und berichten, obwohl Renates Unfall hier in Peru uns ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.

Wir möchten hier nochmals DANKE an alle sagen, die uns in Peru und in Österreich unterstützt haben.

Adios Peru, hasta pronto!

 

Die letzten Fotos von Peru!

 

Weiter gehts in Bolivien!

 

 


 


Österreich – Lima (19.08. – 21.09.2010)


"Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu schmieden."

     John Lennon

 

Diesen Satz von John Lennon erhielten wir von unserer Schwägerin Martina, als wir noch in Lima auf den Rückflug nach Österreich warteten. Wir glauben er beschreibt  am besten was uns passiert ist und wie wir damit umgehen. Wir hatten und haben unsere Pläne und das Leben passiert!

Am 19.8.2010 wurde Renate operiert und darf für die nächsten 12 Wochen nur mit Krücken laufen.

Peter flog am 12.9. wieder nach Lima, er muss sich um die Motorräder kümmern, da wir in Wien nicht viel erreichen konnten.

Am Flug nach Lima saß neben ihm ein netter älterer Herr, der Bolivianer ist und für die Atombehörde arbeitet und sein Sohn mit den Enkeln in Wien lebt. Er lädt Peter  zu sich nach Hause ein, wenn er nach La Paz (Bolivien) kommt.

Um 8.00 Uhr in der Früh checkt Peter in Lima im Hotel ein.

SO UND JETZT KOMMTS: JEDER DARF DREIMAL RATEN, WER UNS BZW. PETER HIER IN LIMA GEHOLFEN HAT; IST NICHT SCHWER ZU ERRATEN; ABER HIER DIE CHRONOLOGIE:

Um  9 Uhr stand Peter bei der österreichischen Botschaft auf der Matte, er war der einzige dort (nicht einmal ein Schild ist am Gebäude). Herr Konsul bemüht sich nicht heraus um ihn zu begrüßen oder ihm irgendeinen Rat zu geben, was er mit den Motorrädern machen kann.  Die Aufenthaltsgenehmigung verlängern oder wie er Renates Motorrad außer Lande bringen kann, da es auf Renate angemeldet ist (und er es daher in Südamerika das Kfz nicht fahren darf, geschweige denn über die Grenze bringen). Der Sekretär ist der einzige der mit ihm sprach und er meinte bloß, er könnte Peter nicht helfen. Gab ihm aber eine Adresse von der chilenischen Botschaft. Peter versuchte nun selbst beim SUNAT (Zoll) um eine Verlängerung für Renates Bike zu bekommen. Jedoch Südamerika live – sie schickten Peter hin und her bis er völlig entnervt aufgab und ihm gesagt wurde, dass es auf gar keinen Fall eine Verlängerung gebe. Der Tiefpunkt war erreicht, Peter chattete mit Renate in Österreich und mit Martina in Chile (von der Villa Kunterbunt, wo unsere Reise im März begann). Nach einigem Hin und Her erhielten wir von Martina noch eine Adresse von einer Dame auf der deutschen Botschaft in Lima.

Peter ging gleich am nächsten Morgen dort hin. Hier war gleich ein anderer Betrieb als auf der österr. Botschaft. Es waren mindestens 40 Leute die in der Reihe standen und warteten,  jedoch Peter kämpfte sich zur genannten Dame durch. Diese empfängt ihm prompt und nimmt sich Zeit und erklärte Peter was alles zu tun sei. So hätte er sich die Hilfe auf der österreichischen Botschaft eigentlich erwartet.

Der erste Lichtblick, Renate muss auf der peruanischen Botschaft in Wien einige Dokumente beglaubigen lassen und diese dann express nach Lima schicken. Dann müssen diese vom Außenministerium in Lima beglaubigt werden und ebenso noch von der chilenischen Botschaft.

 

Renate fuhr mit Dominik in den 1. Bezirk zur peruanischen Botschaft und humpelte mit 2 Krücken hoch um die Kopie des Reisepasses und 2 Vollmachten in Spanisch geschrieben beglaubigen zu lassen. Ein sehr freundlicher Mann sagte ihr, es sei kein Problem jedoch die Frau Konsulin sei nicht hier, wir sollen nachmittags um 16.00 Uhr wieder kommen. Also ging es um 16.00 Uhr wieder nach Wien, diesmal führte Renate eine liebe Freundin (danke Silvia) in den 1. Bezirk. Leider mussten wir noch eine Stunde warten, weil Frau Konsulin noch nicht hier war. Die Zeit wurde langsam knapp, den der nächste DHL in Simmering schließt um 18.00 Uhr und dann müsste Peter in Lima übers Wochenende warten, bis die beglaubigten Dokumente ankommen sollten. Endlich um 17.15 Uhr hielten wir alles in den Händen, wieder zurück ins Auto humpeln und ab ging es durch den ganzen Abendverkehr in Wien. Wir stressten uns durch und eine Minute vor 18.00 Uhr lief Silvia in den DHL Servicepoint und die Dokumente gingen noch am selben Tag weg,… huch Glück gehabt!

 

Peter bekommt noch von der netten Dame auf der deutschen Botschaft eine Telefonnummer eines Wieners, der hier in Peru lebt und der ihm behilflich sein kann bei den ganzen Behördenwegen. Peter ist sehr froh darüber und nimmt diese gerne an.

Das Warten auf die beglaubigten Dokumente begann, es war mühsam in Lima zu sitzen und zu warten, Lima ist nicht gerade das Highlight einer Großstadt! Peter musste sich die Zeit irgendwie vertreiben. Freitagvormittag um 10.00 Uhr kam endlich der ersehnte Brief, Peter rief sofort Rudi (den netten Wiener) an. Dieser war sofort bereit und kam zu ihm und gemeinsam fuhren sie zum peruanischen Außenministerium, es ist gerade 11.30 Uhr. Rudi erklärte ihm wie das genau abläuft am Ministerium, weil es durften nur Betroffenen direkt rein. Dann hieß es wieder lange anstellen, anstellen, anstellen, auch das schaffte Peter und war total happy, dass der Beamte sagte, dass er sich noch am Freitag um 15.00 Uhr die Dokumente abholen kann. (Das gebe es in Österreich nicht, ein Beamter der am Freitag um 15:00 noch arbeitet.)

Es hieß Zeit vertreiben, also in die Altstadt von Lima, leider wurde man hier an allen Ecken nur „angebaggert“ von irgendwelchen Typen, die zuerst nett plaudern und nachher immer für irgendetwas Geld haben möchten, oder was verkaufen wollen angefangen von Drogen, Mädchen und er sollte sie auf einen Trink einladen und so weiter. Peter hatte keine Lust auf solche Sachen, hatte andere Probleme,… Um 15.00 Uhr pünktlich stand er wieder beim Außenministerium um die Papiere abzuholen und er erhielt sie wirklich beglaubigt zurück.

Nun stand nichts mehr im Wege die Papiere am Montag zur chilenischen Botschaft zu bringen.

Am Samstag rief Peter gleich in der Früh Eduardo (er half uns die Motorräder am Militärgelände unterzubringen) an, damit er die Honda von Renate abholen konnte. Eduardo gab Peter die Adresse und er fuhr mit dem Taxi zu ihm. Es war schön ihn wieder zu sehen, er umarmte Peter und stellte ihm seine Frau vor, erkundigte sich wie es Renate geht,…

Nachdem Peter die Honda hatte fuhr er damit zurück zum Hotel, nur nach Instinkt, weil das GPS konnte er nicht auf dem Motorrad befestigen, aber es ging besser als er erwartete, also die Taxifahrer fuhren immer komplizierter mit ihm.

Dann hieß es wieder Zeit vertreiben, am Meer sitzen, schauen, lesen... das wars.

Sonntag fuhr Peter ins historische Zentrum von Lima und schaute sich verschiedenes an, Museum, Blumenfestival und alles möglich andere. Auf der Plaza zu sitzen war allerdings wieder ein Husarenstück, überall tauchten die Keiler auf. Irgendwann nach dem Fünften reichte es Peter und er verzog sich wieder in den angenehmeren Stadtteil Miraflores, wo auch das Hotel war. Hier war es weit besser und er trank darauf noch ein Bierchen.

Montag um 9.00 Uhr kam Rudi um mit Peter zur chilenischen Botschaft zu fahren, angekommen bei dieser – Leider wegen Feiertag, der 200 Jahresfeier in Chile geschlossen, so eine schei…, ja was solls, das Leben ist das was passiert!

Dienstag früh wieder mit Rudi auf die chilenische Botschaft und diesmal erklärte der Beamte, er kann dies nicht beglaubigen, Peter kann so über die Grenze in Chile!

Na, so hätte Peter schon 4 Tage früher fahren können... das Leben ist das was passiert, …


Renate in Österreich versucht so rasch wie möglich fit zu werden, das Knie zu mobilisieren mit Physiotherapie, Craniosacraltherapie, Lymphtapes, viel braune Hirse essen und so weiter,… damit sie sobald die 12 Wochen vorbei sind, so rasch wie möglich auch wieder nach Südamerika fliegen kann. (Flug ist schon gebucht!)

 

Fotos von Lima!

 


Von der Grenze bis Lima (30.07. – 28.08.2010)

 

Unser nächstes Ziel war Chachapoya, wo wir die Ruinen von Kuelap besichtigen wollen. Uns trennten noch 300 km, davon waren 100 km Schotterpiste. Danach erwartete uns eine wunderschöne asphaltierte Straße, vorbei an Reisfeldern und danach windete sich die Straße durch eine lange Schlucht nach Chachapoya.

Kurz vor dem Ort, nach einer Kurve ertönten schrillende Pfiffe, die von aufgeregten Polizisten stammten. Wir trauten unseren Augen nicht, mindestens 20 Polizisten und Polizistinnen auf ca. 30 m² versammelt und sie winkten uns natürlich rechts ran. Nach kurzen Erklärungen, woher wir kommen, wohin wir wollen, waren wir eine kleine Attraktion für sie. Vor allem Renate war Lust der Begierde, weil sich die kleinen Polizistinnen nicht vorstellen konnten auf so einem großen Motorrad zu fahren. Sie begannen Renate´s Größe zu schätzen, dabei fingen sie bei 1.90 cm an. Mussten sie leider enttäuschen, Renate ist nur 1,70 cm. Nach dem lustigen Hin und Her durften wir nach 20 Minuten endlich in Chachapoya ein Quartier suchen.

Den Abend ließen wir in einem guten Steakhouse ausklingen, dies war ein Tipp von unserem Hosteriabesitzer.

Da man hier in der Umgebung von Chachapoyas unter anderem auch in Kuelap Mumien fand, die dank österreichischer Beteiligung in der Nähe in einem kleinen Museum untergebracht sind. Von den Einheimischen wurde uns berichtet, dass eine Ministerin Elisabeth hier war und das Museum eröffnete. Wir mussten selber googlen um heraus zu finden, welche Ministerin diese Strapazen auf sich genommen hat, den man kommt nur nach mehrstündiger Autofahrt auf schlechter Piste zu diesem Museum. Unter dem Link: http://sciencev1.orf.at/science/news/62327

fanden wir tatsächlich die Eröffnungsworte von der damalige Ministerin Elisabeth Gehrer.

Nächsten Tag besuchten wir die Ruinen von Kuelap, die aus der Präinkazeit stammen und nur mehr vom Machu Picchu übertroffen werden.

Ebenso besichtigten wir tags darauf den dritthöchsten Wasserfall der Erde – Gocta, mit einer Fallhöhe von 771 m.

Nach einem Tag Ruhepause und trotz schlechten Wetters fuhren wir weiter nach Süden. Wir zogen unsere Regengewänder an und fuhren Richtung Cajamarca. Dort angekommen suchten wir einige Zeit bis wir ein Hotel mit Garage fanden, wie sich leider nach der ersten Nacht herausstellte, war dies ein Stundenhotel und es gab wenig Ruhe in den Nächten. Wir besichtigten die Stadt und fuhren nach 2 Tagen weiter, weil es uns hier nicht besonders gefiel.

Ursprünglich wollten wir von hier nach Tingo Maria, jedoch riet man uns sehr davon ab, weil die Straße ein „Desaster“ laut Peruanern ist (und die beschreiben die meisten Straßen als schöne Pisten, wo in Österreich aber niemand mehr fahren würde) und weiters gibt es auf den Wegstück immer wieder Überfälle. So beschlossen wir nochmals an die Küste zu fahren und nach Lima wieder in die Berge rauf Richtung Cusco.

Wir verbrachten noch 2 wunderschöne Tage am Strand in Huanchaco, bevor wir uns wieder zurück quälten auf der langweiligen Panamerikaner Norte. Sechs Stunden kämpften wir gegen böigen Seitenwind der vom Meer hereinblies und es uns nicht möglich machte, mehr als 70 bis 80 km/h zu fahren. Die Zeit lief uns davon, es wurde schon finster und unser geplantes Tagesziel konnten wir nicht erreichen. Zum ganzen Überdruss und ziemlich erledigt, hüpften auch diesmal zwei uniformierte Kapperlträger aus der trockenen Wüste mitten auf die Straße. Sie verlangten unsere Papiere und erklärten uns dass wir Sperrlinien überfahren hatten. Wir sollen hier warten, es kommen die 2 Polizisten, die uns dabei angeblich gesehen haben. Nach 2 Minuten tauchte wirklich im Rückspiegel ein Polizeiauto auf und die Polizisten erklärten uns, dass wir Sperrlinien überfahren hatten. Peter merkte nach kurzer Zeit, das da wieder was faul lief und nach langen Hin und Her und angesichts der einbrechenden Dunkelheit platzte Peter der Kragen und er teilte den Polizisten mit: Wir fahren nach Lima um unsere österreichische Freundin zu besuchen, die mit einem peruanischen General der Luftwaffe verheiratet ist und wenn er möchte, sich gerne mit dem in Verbindung setzten kann. Plötzlich wurde der Polizist sehr freundlich, gab uns die Papiere, wünschte uns gute Reise und wir konnten in die nächste Stadt fahren um uns ein Quartier zu suchen. Da es jetzt mittlerweile dunkel war, orientierten wir uns nur mehr nach Leuchtreklameschildern in der Stadt. Wir fanden ein nobles Hotel mit bewachten Parkplatz und Wächter, der Friedl Konzilier und Pezzey kannte.

Am nächsten Morgen ging die Reise weiter auf der Panamerikaner Richtung Lima.

Wir kannten ja die Strecke, da wir unser GRPS hatten, mit dem wir schon einmal durch die Stadt gefahren sind. Mit einer kleinen Umleitung, die uns einigen Schweiß gekostet hat, schafften wir es dann doch nach 2 Stunden auf der Panamerikaner Sur zu landen.

Bei Kilometer 20 kam eine Mautstelle und uns winkte wie immer bei den Mautstellen, jemand rechts vorbei, weil Motorradfahrer in Südamerika keine Maut zahlen.

Diesmal war es eine Polizistin, die uns den Weg wies. Peter fuhr durch die geöffnete Schrankenanlage und Renate hinterher. Plötzlich kam vor Renate jedoch der Schranken runter, sie bremste, spürte einen Schmerz im rechten Bein und fiel mit dem Motorrad um. Es waren gleich eine Menge Menschen bei Renate und wollten ihr auf helfen. Leider konntesie auf das Bein nicht aufsteigen, so wurde eine Ambulancia bestellt. Peter stellte inzwischen die Motorräder sicher unter und fuhr mit Renate und der Ambulancia in ein „besseres Spital“ wie der Sanitäter behauptete, nach dem er uns fragte ob wir eine Versicherung haben. Im Krankenhaus stellte eine sehr kompetente Ärztin zu unserem Schock fest, dass sich Renate den Schienbeinkopf gebrochen hatte. Sie erklärte uns auf Spanisch was das bedeutete und meinte wir sollen nach Hause fliegen und dies operieren lassen. Dabei bekam Renate einen geschlossenen Liegegips und Schmerztabletten und so entließ man uns aus dem Krankenhaus.

Für uns brach eine Welt zusammen, der Traum war vorbei,…?!

Wir suchten mit Hilfe eines Taxifahrers für die Nacht ein Hotel und versuchten unsere Gedanken und Gefühle irgendwie auf die Reihe zu bekommen.

Nächsten Tag siedelten wir in ein anderes Hotel und Peter holte unsere Motorräder von der Mautstelle der Panamerikaner.

Wir begannen nun zu organisieren und telefonieren,… und im Laufe der Woche hatten wir viele Kontakte geknüpft.

Hier an dieser Stelle wollen wir uns ganz besonders bei unseren Freunden und Freundinnen bedanken, die uns geholfen und uns Hilfe angeboten haben, es tut gut zu wissen, solche Freunde zu haben!!

Franz und Silvia vielen Dank für den perfekten Abstellplatz für unsere Motorräder.

Herbert und Fritz für die Idee und perfekte Organisation des Kniespezialisten der die Operation durchführte.

Vielen Dank auch an die perfekte Organisation des Rücktransportes durch den ÖAMTC und Dr. Peter B.

Ebenso ein herzliches Dankeschön bei den netten Peruanern, die uns die Woche unterstützt haben.

 

Peter und Renate sind nun in Österreich, Operation von Renate ist gut verlaufen, leider darf sie nun 12 Wochen das Bein nicht belasten und muss mit Krücken gehen. Peter wird wahrscheinlich in 2 Wochen wieder zurück fliegen nach Peru.

Wie es wirklich weiter geht, wissen wir noch nicht genau. Versprechen aber sobald wir nähere Informationen haben, werden wir es hier bekannt geben.

Hier unsere letzten Fotos von Peru!

 

 

 

Strandurlaub von Mancora – Ecuador (31.05. - 07.06.2010)

 

Die Weiterfahrt von Chiclayo nach Mancora führte durch trockene Wüste mit teilweise starken Seitenwind. In Mancora erwartete uns ein wunderschöner Sandstrand der auch als Surferparadies bekannt ist. Wir beschlossen hier einige Tage zu verbringen um Sonne, Sand und Meer zu genießen.  Wir fanden eine kleine Bäckerei, die von einer Österreicherin geführt wird, wo es für uns seit langen wieder Schwarzbrot gab, außerdem Apfelstrudel und Gulasch.

Nach 4 Tagen zog es uns weiter nach Zorritos, wo es noch ruhiger und daher angenehmer war als in Mancora, hier gehörte der Strand uns alleine. Einzige Schwierigkeit war das Parken der Motorräder. Wir mussten über ein paar Stiegen runter zum Strand und dann in einer schweißtreibenden Aktion die Motos durch den Sand ins Hotel schieben.

Hier trafen wir Michi und Conny wieder, die wir vor 3 Monaten in Valparaiso in der Villa Kunterbunt kennen gelernt haben. Gemeinsam verbrachten wir noch 2 nette und ruhige Tage am Strand und hatten uns viel zu erzählen von  unseren bisherigen  Erlebnissen. Da unser beider Ziel Ecuador war und im  Reiseführer stand, dass dies der „schlimmste Grenzübergang“ Südamerikas ist, wollten wir dies gemeinsam machen. Die peruanische Grenzstadt Aguas Verdes ist über  eine Brücke  mit der ecuadoriansichen Grenzstadt Huaquillas verbunden. Auf peruanischer Seite waren die Ausreiseformalitäten rasch erledigt und nun fuhren wir über die Brücke nach Ecuador. (Die Brücke wurde von der EU gesponsert). Am Grenzübergang empfing uns ein freundlicher Grenzbeamter, der uns einmal gleich über die Straße schickte um Kopien von unseren Dokumenten (Führerschein, Zulassungsschein, Reisepass) zu machen. Zurück wurden die Personaleinreiseformalitäten an einem Schalter getätigt, danach ging es in ein Hinterzimmer, wo die Formalitäten für die Motorräder zu erledigen  waren. In dem Raum befanden sich 5 Beamten und zwei Männer mit Handschellen. (Naja, das kann ja heiter werden, sind wir die nächsten?!?) Aber siehe da, der Kommandante übernahm unseren Papiergramm und nach geschlagenen zwei Stunden waren auch unsere Motorräder eingereist. Offensichtlich hat  der schlimmste Grenzübergang Südamerikas seinen Schrecken verloren, denn alle Beamten waren  außerordentlich freundlich zu uns.

Bienvenidos Ecuador! Weiter geht’s hier…

 

 

 

Trujillo – Huanchaco (26.05. – 30.05. 2010)

Trujillo, die drittgrößte Stadt Perus, faszinierte uns mit ihrem schönen großen Plaza und den kolonialen Bauwerken mit den typischen Holzbalkonen und den schmiedeeisernen Gittern, die aus dem 17. – 18. Jahrhundert stammen.

In Trujillo entschlossen wir noch 10 km zum Meer zu fahren und uns in Huanchaco ein Quartier zu suchen. Dieses Fischerdörfchen ist bekannt für seine berühmten zigarrenförmigen totora – Boote auch caballitos (Pferdchen) genannt. Das Schilfrohr wird so zusammen gebunden, das die Fischer wie auf den Rücken eines Pferdes sitzend, auf das Meer hinauspaddeln können. Aus Darstellungen auf alten Keramiken weiß man, dass schon damals diese Methode des Fischfangs angewandt wurde. Wir verbrachten mehrere Stunden am Meer um den Fischern mit ihrem Caballitos bei ihrer täglichen Arbeit zu zusehen. Natürlich genossen wir auch den vorzüglichen frischen Fisch und Meeresfrüchte in verschiedensten Variationen. Auch Cebiche (roher Fisch) stand ganz oben auf den Speisekarten und da wir überzeugt wurden, dass der Fisch hier wirklich frisch ist, kosteten wir auch das Nationalgericht der Peruaner. Peter schmeckte es vorzüglich, Renate blieb beim Kosten.

Natürlich wollten wir uns auch kulturell betätigen und so machten wir einen Ausflug ins nahegelegene Chan Chan. Es war einst die Hauptstadt des mächtigen Reiches von Chimù (1000 – 1050 n. Chr.). Chan Chan dehnte sich über 20 qkm aus und war vollständig von einer Adobemauer umgeben. In ihrer Blütezeit (13. – 14. Jahrhundert) lebten schätzungsweise 50 000 – 100 000 Einwohner. Sie war in ihrer Zeit wahrscheinlich die größte Stadt der Welt. Es gab und gibt keine größere Stadtanlage die nur aus Lehmziegeln errichtet wurde. Leider haben heftige Niederschläge zur Auflösung der Lehmziegelstadt beigetragen, unter anderem das Wetterphänomen El~Nino 1997/98. Der am besten erhaltene Stadtsektor wurde nach dem Schweizer Südamerikaforscher Johann Jakob von Tschudi benannt – Palacio Tschudi. Das löst bei Renate Heimatgefühle aus, da in der Nachbargemeinde von Renates Heimat Bromberg Lichtenegg ein Museum von Tschudi steht http://www.lichtenegg.gv.at/system/web/sonderseite.aspx?menuonr=218768181&detailonr=218768181.

Am 30. Mai fuhren wir weiter hoch in den Norden Perus, dabei kamen wir über Chiclayo, wo es den berühmten „Mercado de Hierbas“ (Kräutermarkt) gibt. Ebenso gab es Lamaföten, Anacondahäute und Tucanschnäbel zu sehen, leider reichten hier unsere Spanischkenntnisse nicht aus um all diese Geheimnisse und Rituale zu verstehen.  

Außerdem begegneten uns auf den Weg dorthin, wieder seltsame Gestalten in Uniform, die genau uns mit einem roten Leuchtstab an den Straßenrand lockten. Diesmal entpuppten sie sich als außerordentlich freundlich, wollten eigentlich nur wissen, wo wir her kamen und wo wir hinfahren. So kamen wir in ein nettes Gespräch, nur so viel gesagt lieber Harry (Nachbar, BP Wien), hier verdienen Polizisten nur 350 Dollar bei ca. 200 Stunden im Monat.

Hier gibt es die Fotos dazu:

 

 

Huaraz – Canon del Plato (18.05. – 26.05. 2010)

Ein schwieriger Tag lag vor uns, wir mussten durch die Hauptstadt Perus – Lima – durch, um in den Norden zu kommen. Lima ist die größte Stadt Perus mit einer geschätzten Einwohnerzahl von 12 Millionen Menschen. Zum Vergleich in ganz Peru leben ungefähr 30 Millionen Menschen.. Es geht eine 2 spurige Autobahn mitten durch die Stadt, nach geschlagene 3 Stunden zwischen hunderten Autobussen, Lastwägen und Autos spukt uns dieser Moloch auf der anderen Seite wieder aus. Nun ging es weiter auf der Panamericana Norte in die Cordillera Blanca (genannt die Schweiz von Peru) nach Huaraz von 0 auf 3090 m.                                                                                                                                                                                        

Obwohl wir schon bei vielen Polizeikontrollen vorbei fuhren, und wir von unglaublichen Geschichten hörten, von korrupter Polizei usw., waren jetzt wir dran. Wie in Österreich hüpfte auch hier ein Polizist hinter seinem Auto hervor und winkte uns an den Straßenrand. Peter ahnte schon was auf uns zu kommt, der Polizist deutete auf den Drehzahlmesser und fuchtelte umher, meinte wir seien zu schnell gewesen, und das in der letzten Ortschaft, die 10 km weit weg war. Daraufhin wusste Peter was los ist, Trick eins aus der Kiste, No entiendo (nichts verstehen) kein Wort spanisch! Der Polizist wollte 50 Dollar, no entiendo, dann ging es hinter das Polizeiauto, zur weiteren Verhandlungen. Er meinte ohne Strafzettel koste es 20 Soles, no entiendo! So geht das Spielchen 15 Minuten, der Polizist fragt warum wir nur Kleingeld haben, keine Dollar, Euros oder Soles? Peter sagte er bezahle alles mit Karte. Schluss endlich bekam der Polizist einen Sol (30 Cent) die Peter in der Hosentasche stecken hatte, damit ließ er uns fahren. 5 km weiter standen die nächsten Polizisten und hielten uns wieder an. Wir dachten, so kommen wir nie nach Huaraz. Diesmal wollte der Polizist jedoch nur Papiere sehen, vor allem die Haftpflichtversicherung für Südamerika interessierte ihn sehr. Dies bekam er von beiden Motorrädern, dann wünschte er uns eine gute Reise und sagte uns langsam fahren, deutete auf Renates Tacho 60 km/h und somit ließ er uns ziehen.                                                                                                            

Am frühen Abend kamen wir dann doch nach Huaraz, in der Stadt gab es nicht viel zu sehen, da sie 1958 von einer riesigen Eislawine und 1970 von einem schweren Erdbeben weitgehend zerstört wurde. Aber die Schönheit der Stadt liegt eigentlich im Panorama, links herum die Cordillera Blanca und rechts die Cordillera Negra. So wird sie auch die Bergsteigerhauptstadt Perus genannt. Auf einer Breite von nur 20 km türmen sich hier über 50 Schneegipfel und Eisgletscher die höher als 5700 m liegen. Der Huascaran ist mit 6788 m Höhe der höchste Berg Perus. Der Anblick ist wirklich grandios, aber wir ziehen es vor 2 Tage später nach Caraz 60 km weiter zu fahren, denn hier in Huaraz sind uns zu viele Bergsteiger, Pseudobergsteiger und Schickimickibergsteiger.                                                                                                   Caraz liegt auf 2290 m und ist wärmer, ursprünglicher, kleiner und ruhiger und von hier starten wir zur Laguna Paron auf 4150 m. Da nach Auskunft der Hostalbesitzerin die 32 km zur Laguna Paron in einen miserablen Zustand ist, entschließen wir uns das Ganze mit einem Taxi zu fahren. Gut so, den die Strecke entsprach der wahrsten Sinn der Worte der Hostalbesitzerin und so rüttelten wir 2 Stunden hoch zur Laguna. Der Anblick der schneebedeckten 6000 und der Laguna waren einfachunbeschreiblich.                                                                                      

Canon del Pato

Nach einem Tag Erholung ging es zur Renates Bauchwehstrecke – den Canon del Pato (Entenschlucht), diese Strecke beschrieben alle als spektakulär, jedoch schlechter Straße, aber wegen der landschaftlichen Besonderheit wurde unbedingt dazu geraten. Die beiden Cordilleren Negra und Blanca treffen sich hier und werden nur mehr von Rio Santa getrennt. Die einspurige Schotterpiste windet sich durch über 35 Tunnels, die in das rohe Gestein gesprengt wurden. Auf der einen Seite geht es steil die Felswände hoch und auf der anderen Seite genauso steil ins Tiefe – ein Erlebnis!

Renate wurde unwillkürlich zur Touristenattraktion eines Autobusses: Sie kam an einem Tunneleingang, als sie plötzlich im dunklen Tunnel Lichter auf sich zukommen sah. Sie konnte nur stehen bleiben, jedoch das Motorrad nicht bergauf zurückschieben auf der Schotterpiste. Peter? Weit weg fotografieren, wie immer! So stand sie kurze Zeit darauf Angesicht zu Angesicht mit einem Autobus. Der Beifahrer erbarmte sich, stieg aus und schob sie mit dem Motorrad bergauf zurück, somit konnte der Bus vorbei. Dabei hielten die Insassen den Fotoapparat aus dem Fenster und fotografierten das lustige Schauspiel. Nur Peter verpasste es mit der Kamera!

Nach Ende des Canon war keine Besserung der Straße in Sicht, im Gegenteil es wurde immer schlechter. Es folgten Wasserdurchfahrten und diversen Hindernisse von herabstürzenden Felsen. Auf einen solchen Hindernis, dass aus einem Geröllhaufen bestand, legte Renate das Motorrad hin, weil schön langsam die Kräfte ausgingen.

Wie es der Zufall so will, trafen wir auf der Piste zwei entgegenkommende Radfahrer aus Österreich, die den ganzen Weg noch vor sich haben. Nach kurzem Plaudern und fortgeschritten Nachmittag beschlossen wir gemeinsam einen Zeltplatz hier zu suchen. Zum Glück fanden wir in der Schlucht ein Fleckchen im Schilf, wo wir uns und die Motorräder gut verstecken konnten. Philipp und Valeska, beide aus Graz sind schon 3 Jahre mit dem Fahrrad unterwegs. Es gab viel zu erzählen, leider war der Abend viel zu kurz mit den Zweien. Den alle mussten sich von den Strapazen erholen und um 22 Uhr ging es in den Schlafsack. Nächsten Morgen zeitig in der Früh trennten sich leider unsere Wege, wir hoffen aber auf ein Wiedersehen in Chile im September oder Oktober. Es war bisher einer der nettesten Abenden die wir in Südamerika erlebten. Wer möchte, kann hier die Reise von Valeska und Philipp mitverfolgen: www.2-play-on-earth.net

Für uns waren es nur mehr 5 km schütteln und dann kam die ersehnte Asphaltstraße, die uns nach Trujillo brachte.

Zu unseren Fotos!

 

Nasca und Paracas (11.05. – 17.05.2010)

Weil es uns in Arequipa sehr gut gefiel, entschlossen wir uns noch 2 Tage länger zu bleiben.                                                                          Es lagen 600 km vor uns, die Großteils dem Meer entlang gingen. Auch der kalte Humboldtstrom machte sich mit Nebel an der Küste bemerkbar. Wir machten noch einen Zwischenstopp in Camana, wo wir in einem „mistigen“ Hotel übernachteten. In der Früh flüchteten wir schnell aus dem Hostal hinaus zurück auf die Panamericana. In Nasca angekommen, suchten wir wie immer ein Schlafzimmer für unsere Motorräder, an Aufsehen fehlte es uns nicht, schnell hatten wir eines. Genauso rasch hatten wir einen Flug für den nächsten Tag über die berühmten Geoglyphen von Nasca. Diese wurden von der Deutschen Mathematikerin und Geographin Dr. Maria Reiche erforscht und zu ihrem Lebenswerk. Nach wie vor ist nicht geklärt wie diese Geoglyphen angelegt wurden und welche Bedeutung sie genau haben. Von Dr. Paul Kosok wurden die Nasca-Geoglyphen als „größtes Astronomie Buch der Welt“ bezeichnet. Sie erstrecken sich auf einer Fläche von etwa 700qkm. Maria Reiche stellte die Theorie auf, dass sie von den Paracas- und Nascakulturen von 900 v.Chr. bis 600 n. Chr. angelegt wurden. Die Figuren sind zwischen 25 und fast 200 m lang, daher die einzige Möglichkeit sie per Flug zu besichtigen. Mit 2 Piloten (weil erst vor ein paar Wochen ein Flugzeug abstürzte) und mit einer Cessna flogen wir ohne Frühstück (was auch gut war, zumindest für Renate) die einzelnen Figuren ab. Von oben war es ein beeindruckender und faszinierender Anblick. Man stellt sich die Frage wie haben die Menschen das damals geschafft?

Nach dem Frühstück besichtigten wir noch dem Friedhof von Chauchilla. Es ist ein Gräberfeld aus der Präinkazeit. Knochen, Schädel und Textilfetzen, liegen in den freigelegte Grabkammern. Da es hier kaum Niederschlag gibt, blieben die Haare und Kleider über die lange Zeit in einem so guten Zustand.

 

Einen Tag später verließen wir Nasca um wieder auf der Panamerikaner weiter Richtung Norden zu fahren. Nach ca. 15 km hielten wir noch bei einem Aussichtsturm, wo wir nochmals 2 Geoglyphen bestaunen konnten. Nach 230 km erreichten wir die Stadt Pisco, die uns mit einem Sandsturm empfing. Der Name Pisco ist Synonym für den Traubenschnaps, Hauptbestandteil des peruanischen Nationalgetränks Pisco Sour. Statt in den meist verkehrsreichen Städten umherzuirren und nach einem Quartier zu suchen, versuchten wir unsere Strategie zur Hotelsuche zu ändern. Wir fuhren direkt auf den Hauptplatz der Stadt, der immer relativ leicht zu finden ist, stellten die Motorräder ab und warteten. Nach kurzer Zeit tauchte eine nette Frau auf, um uns ein Hotel anzubieten. Hurra die Strategie funktioniert, innerhalb von ein paar Minuten hatten wir ein Hostal. Natürlich werden auch gleich Ausflüge angeboten. So sind wir um eine Touri Attraktion reicher, wir fuhren am nächsten Morgen mit dem Bus zur Halbinsel Paracas. Von dort ging es mit dem Boot zu den Islas Ballestas, wo tausende Vögel beheimatet sind, sowie die berühmten Humboltspinguine und Seelöwen. Hier wird der übelriechende Guano (Vogelkot) abgebaut, der wertvollste natürlichste Dünger der Erde. Danach ging es zur Erkundung der Halbinsel Paracas, und den wunderschönen Aussichtspunkt La Catedral. Wind und Meer hatten die sehenswerten Felsformationen entstehen lassen. Jedoch nach einem Erdbeben im August 2007 brach ein Teil der Felsbrücke ein. Peter hatte sie vor fünf Jahren noch ganz gesehen. In einem gemütlichen Fischrestaurant genossen wir Langusten und Thunfischsteak als Abschluss unseres Ausflugs.

und hier wieder einige Fotos dazu

 

 

Arequipa und Colca Canyon (03.05. – 10.05.2010)

Von Arica ging es vormittags zur peruanischen Grenze, das Highlight des Tages: Anstellen beim chilenischen Zoll, um beim Schalter zu erfahren, dass im Nebengebäude im 1. Stock ein Formular für die Motorräder zu kaufen ist. Wieder hinunter, Formular ausfüllen, wieder anstellen und so erhielten wir den 1. Stempel (Ausreise). Weiter fahren bis zum peruanischen Grenzgebäude, Motorräder parken, bewacht von einigen Grenzbeamten, die uns freundlich, das weitere Vorgehen erklärten. Hinein ins Zollgebäude zur Polizeikontrolle (Stempel), weiter zur Zollkontrolle (Stempel), weiter zur Gesundheitsbeamtin (Stempel), weiter zum Landwirtschaftsbeamten (Stempel), weiter zum KFZ – Beamten (Stempel), weiter zum Oberzollbeamten (Stempel) – und jetzt ein herzliches Bienvenidos in Peru. Noch einen guten Tipp vom Beamten – Pisco sour und Cebiche (roher Fisch), beides Nationalgerichte der Peruaner – zu verkosten. Endlich wieder auf unsere Motorräder 20 Meter fahren, wieder Halten und das Zollpapier mit den vielen gesammelten Stempeln abzugeben. Ein Wunder, vor uns geht der Schranken auf (nach 2 Stunden Stempel sammeln) dürfen wir in Peru einreisen.

Wir fuhren mit einem Übernachtungsstopp in Moquegua nach Arequipa, wo wir in einem netten Hostal unsere Motorräder wieder neben der Rezeption parken dürfen. Arequipa UNESCO-Weltkulturerbe ist die zweitgrößte Stadt Perus und liegt auf 2353 m Höhe. Der Vulkan Misti 5821 m und der Nevado Chachani 6075 m zieren das Panorama der Stadt. Durch die Nähe aktiver Vulkane werden in Arequipa täglich bis zu 12 Erdbeben registriert. Ca. 21.45 Uhr Ortszeit durften wir auch gleich ein Erdbeben der Stärke 6,4 miterleben.                                                                                                                    Eine Sehenswürdigkeit der Stadt ist das Kloster Santa Catalina (Baubeginn 1579), das erst 1970 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Darin wohnten 150 Nonnen und 400 Dienstmädchen über 300 Jahre der Bevölkerung mehr oder weniger verborgen.                                                                                                               Die Plaza Principial mit der Kathedrale und seinen Arkadengängen bilden das wunderschöne Zentrum der Stadt. Ebenso besichtigten wir den Mercado San Camilo, der besondere Leckerbissen zu bieten hat. Unter anderem gab es einen Jugo de Rana (Froschsaft) Zutaten: ein lebender Frosch, Wasser, Gewürze und einmal durchmixen. Mahlzeit!                                                                                                        

Von Arequipa aus machten wir die Tour in den Colca Canyon, dessen Höhepunkt der Cruz del Condor ist. Der Colca Canyon ist angeblich die tiefste Schlucht der Erde, in ihm befinden sich jahrhundert- alte Terrassenfelder, die von den Incas erbaut wurden. Am Cruz del Condor gibt es dann am Morgen die Kondore zu beobachten, wenn sie sich von den Aufwinden aus dem Canyon durch die Luft tragen lassen. Der Kondor ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,20 m der größte Raubvogel der Erde. Der Anblick der Kondore war für uns ein einzigartiges Erlebnis!

Ein bisschen mehr Fotos…